
Verfolgt und Vergessen
Frauen im Gestapo-Lager Neue Bremm
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Das Projekt
Nur wenige kennen die Geschichte des Gestapo-Lagers Neue Bremm in Saarbrücken. Es lag unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze und war ein Ort grenzüberschreitender Verfolgung. Dass dort auch viele Frauen inhaftiert waren, ist noch weniger bekannt.
Um das zu ändern, haben Studierende der Universität des Saarlandes unter der Leitung von apl. Prof. Dr. Mechthild Gilzmer, Prof. Dr. Fabian Lemmes und Leyla Graf-Taşkiran diesen Audiorundgang erarbeitet. Anhand von zehn Stationen wird damit erstmals die Geschichte des Frauenlagers erzählt. In den Stationen 3, 4 und 9 werden in einem zusätzlichen Audio jeweils Einzelaspekte vertieft.

Verfolgt und vergessen
Frauen im Gestapo-Lager Neue Bremm
Dort, wo heute das Hotel steht, befanden sich im Jahr 1944 Baracken, in denen Frauen aus ganz Europa aus den unterschiedlichsten Gründen inhaftiert waren. Während das Männerlager Gegenstand zahlreicher Veröffentlichungen wurde, geriet das Frauenlager in Vergessenheit. Auf einer Skizze des Lagergeländes, die 1946 im Rastatter Kriegsverbrecherprozess gegen das Lagerpersonal der Neuen Bremm zur Veranschaulichung vorgelegt wurde, erscheint das Frauenlager lediglich als weiße Fläche …
Quellen:

Überwacht und eingesperrt
Saarländerinnen in der Neuen Bremm
Auch eine Reihe von Saarländerinnen wurde wegen unterschiedlicher Delikte in der Neuen Bremm inhaftiert. Eine von ihnen war Lina Hess, die einzige weibliche Stadtverordnete der Kommunistischen Partei. Sie kam 1935 für sechs Monate in das Gefängnis am Lerchesflur, denn zu diesem Zeitpunkt existierte das Lager Neue Bremm noch nicht. In der Folge stand sie unter Polizeiaufsicht und wurde zur Einschüchterung mehrfach inhaftiert …
Quellen:

Ausgebeutet und bestraft
Zwangsarbeiterinnen im „erweiterten Polizeigefängnis“ Neue Bremm
Ende 1943 wurden zahlreiche osteuropäische Zwangsarbeiterinnen in der Neuen Bremm inhaftiert. Gründe für die Einweisung waren angebliche “Arbeitsbummelei”, mangelnder Arbeitseifer, Sabotage oder Fluchtversuche. Die Inhaftierung diente zur Bestrafung und Einschüchterung. Nach ein bis zwei Monaten wurden die Frauen in der Regel an ihre Arbeitsorte zurückgebracht. Dies galt jedoch nicht für die inhaftierten Zwangsarbeiterinnen, denen „verbotener Umgang“ vorgeworfen wurde …
Quellen:

Aus Frankreich verschleppt
Frauen aus Frankreich in der Neuen Bremm
Aufgrund seiner Grenzlage erhielt das Gestapolager Neue Bremm in den Jahren 1943 und 1944 eine zentrale Bedeutung bei der Deportation von Opfern politischer Verfolgung aus Frankreich. Für 2500 der insgesamt 76000 politischen Häftlinge bildete die Neue Bremm die erste Etappe auf ihrem Leidensweg. Unter ihnen befanden sich auch rund 1400 Frauen, die ab Mai 1944 nach Saarbrücken und von dort aus in das KZ Ravensbrück gebracht wurden …
Quellen:

Eine von ihnen
Die Widerstandskämpferin und Zeitzeugin Yvette Lundy
Eine der Frauen, die im Verlauf des Jahres 1944 aus dem besetzten Frankreich über die Neue Bremm in das Deutsche Reich deportiert wurden, war die Widerstandskämpferin Yvette Lundy. Sie wurde am 22. April 1916 in Oger in der Champagne geboren. Ihre Kindheit war stark von den Folgen des Ersten Weltkriegs geprägt, insbesondere von Armut, Zerstörung und Fluchterfahrungen …
Quellen:

“Aus aller Herren Länder”
Frauen aus ganz Europa in der Neuen Bremm
Unter den Widerstandskämpferinnen, die in die Neue Bremm kamen, befanden sich Frauen mit langjähriger politischer Erfahrung. Einige von ihnen waren bereits in ihren Heimatländern verfolgt worden und nach Frankreich geflohen. Andere waren in der Folge von Pogromen und aus wirtschaftlichen Gründen in den 20er Jahren aus Osteuropa nach Frankreich gekommen …
Quellen:

“Im Dienste Ihrer Majestät”
Agentinnen im britischen Auftrag in der Neuen Bremm
Am 8. August 1944 kamen Violet Szabó, Denise Bloch und Liliane Rolfe in das Gestapolager Neue Bremm. Alle drei waren als Agentinnen des britischen Geheimdienstes in Frankreich tätig gewesen. In der britischen Special Operations Executive (SOE), einer geheimen nachrichtendienstlichen Spezialeinheit, die auf Initiative von Winston Churchill im Juli 1940 gegründet worden war, gab es eine spezielle Abteilung (F-Sektion), zu der Frauen aus unterschiedlichen Ländern gehörten …
Quellen:

Büßen für Andere
„Sippenhäftlinge” aus dem Département Moselle
Mit der Annexion dieses Départements verschärfte sich die Verfolgung der Menschen in der Grenzregion. Ab 1942 wurden die Männer zwangsweise zum Wehrdienst in die Wehrmacht eingezogen. Viele Männer entzogen sich dem Wehrdienst. Wer auf diese Weise Widerstand leistete, musste damit rechnen, nicht nur sich selbst, sondern auch die eigene Familie zu gefährden. Denn in der Folge wurden Familienangehörige verhaftet und über die Neue Bremm deportiert. Von der Sippenhaft waren sowohl Männer als auch Frauen betroffen …
Quellen:

Als Frau in Lagerhaft
Geschlechtsspezifische Erfahrungen
Der Alltag im Frauenlager war von Gewalt geprägt. Im Vergleich zum Männerlager waren brutale Exzesse zwar nicht an der Tagesordnung, doch wurden die Frauen regelmäßig beschimpft, herum gestoßen und geschlagen. Systematische Folter ist für das Frauenlager bislang nur in einem Fall überliefert. So wurde die saarländische Widerstandskämpferin Emma Niederlender, die französische Deserteure im Wald versteckt und mit Lebensmitteln versorgt hatte, während eines Verhörs auf der Neuen Bremm schwer gefoltert. Sexualisierte Gewalt lässt sich ebenfalls nicht ausschließen …
Quellen:

Frauen als Täterinnen
Die Aufseherinnen im Gestapo-Lager Neue Bremm
Im Frauenlager waren überwiegend weibliche Aufseherinnen, die häufig ohne spezifische Ausbildung eingesetzt wurden. Ihre Aufgaben umfassten die Überwachung der Gefangenen, die Durchsetzung der Lagerordnung sowie administrative Tätigkeiten. Eingesetzt als Aufseherinnen waren Margarete Schröder, Hedwig Koch und Wilhelmine Bruhns. Olga Braun war als Sekretärin des Lagerkommandanten tätig. Nur die Oberaufseherin Karoline Thome hatte eine Ausbildung im Konzentrationslager Ravensbrück erhalten …
Quellen:
Die Tour
Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit EUROKEY und der Initiative Neue Bremm realisiert und durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds gefördert. Wir danken der Fondation pour la Mémoire de la Déportation in Paris und René Mély für ihre Unterstützung. Eine wichtige Grundlage für die Erstellung der Texte bilden die langjährigen Recherchen und Vorarbeiten von Horst Bernard, für die wir ihm besonders verbunden sind, außerdem die wissenschaftlichen Arbeiten von Elisabeth Thalhofer.
Mitwirkende Studierende:
Nina Bachinger, Tim Thomas Hoffmann, Seline Klein, Lisa-Marie Krauth, Maximilian Krauss, Tim Scheppler, Defne Soyudogan, Michelle Werkle
Sprecherinnen:
Mia Berg, Nina Bachinger, Clara Crépin, Dr. Hélène Fau, apl. Prof. Dr. Mechthild Gilzmer, Gwenaëlle Goupry, Leyla Graf-Taşkiran, Nathalie Handal, Estelle Meyer-Grehl, Lisa-Marie Krauth, Dr. Line Perrin, Defne Soyudogan, Michelle Werkle
Aufnahme-Regie und Schnitt:
Peter Burgard und Nico Graf-Taşkiran
Wir danken der Kommission für Saarländische Landesgeschichte für die Unterstützung bei den Tonaufnahmen und die Bereitstellung der benötigten Technik.
Alle Literaturangaben, Quellenverweise und Informationen zu den Bildrechten sind hier einsehbar.
