Erinnerungsorte zur NS-Geschichte
in Homburg

„Es sind nun schon über 75 Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und damit dem Ende des Nationalsozialismus vergangen. Immer weniger Zeitzeugen können uns davon berichten. Deshalb muss man sich die Frage stellen, wie künftig an diese Zeit erinnert werden soll. Auch die Frage, wie gerade die junge Generation mit diesem Thema umgehen soll, ist von zentraler Bedeutung. Das Ziel dieser App ist es daher, einen Beitrag zu einer nachhaltigen und lebendigen Erinnerungskultur zu leisten.

Der Rundgang beginnt am jüdischen Friedhof der Stadt Homburg (Station 1). Dort gehen wir auf die Geschichte der Homburger Juden aus zwei Jahrhunderten ein. Um das Thema Bestattungen im Judentum verständlicher zu machen, zeigen wir auch deren Sitten und Bräuche auf. Wissen Sie zum Beispiel was das Kaddish ist? Wir erklären es und erläutern zudem, wie es heute um den Friedhof steht und wer für die Pflege verantwortlich ist.

Polizeihaftlager
Landeskrankenhaus

Die Station 2 befasst sich mit dem Polizeihaftlager-Homburg/Nord. Die ehemals jüdische Tabakfabrik „Hewimsa“ wurde 1939 vom NS-Regime zu einem Polizeihaftlager umfunktioniert. Das Lager diente der „Umerziehung“ widerwilliger Arbeiter im nationalsozialistischen Sinne zu „geordneter Arbeit“. Diese Zwangsarbeit wurde im Zuge der Bauarbeiten am Westwall benötigt. Hierbei werden der historische Kontext sowie die Bedeutung der Polizeihaftlager im Dritten Reich untersucht und an das Leiden der Inhaftierten erinnert. Die Station ist in der Karlsbergstraße, damals „Deutsche Straße“, verortet. Hier befand sich lange Zeit das Zentrum jüdischen Lebens in Homburg.

Die Station 3 nimmt sich dem Landeskrankenhaus Homburg und seiner Geschichte, insbesondere den Jahren 1935-1945 an. Zudem behandelt sie die NS-Rassenhygiene und die NS-Bevölkerungspolitik, hauptsächlich im Saarland. Im Landeskrankenhaus wurden von einigen Ärzten, u.a. Oscar Orth, Zwangssterilisationen durchgeführt. Es geht auch um das sogenannte Euthanasie-Programm der Nazis: Behinderte oder psychisch kranke Patienten wurden deportiert und später in Hadamar (Hessen) ermordet. Die Bevölkerungspolitik und Rassenhygiene waren auch im Saarland sehr deutlich definiert: Fortpflanzung von Juden wurde untersagt, da sie als „minderwertig“ betrachtet wurden. Eine Stele in der Uniklinik des Saarlandes erinnert an alle Opfer der Zwangssterilisation und Euthanasie. Die Station befindet sich gegenüber der Hohenburgschule. Dort war einst auch die israelitische Schule Homburgs untergebracht. Sie wurde 1935 geschlossen.

Die Station 4 behandelt das Schicksal der Familie Salmon. Es geht um die Deportation und Ermordung unserer ehemaligen jüdischen Mitbürger. Mit der Reichspogromnacht am 09. und 10. November 1938 und der Wagner-Bürckel-Aktion vom 22. Oktober 1940 wurde unseren jüdischen Mitbürger zunächst ihre Existenzgrundlage und am Ende häufig auch ihr Leben grausam genommen. Die Mitglieder der Familie Salmon waren, wie Millionen andere Menschen jüdischen Glaubens in Europa, Opfer von Judenhass und stehen somit stellvertretend für die Schicksale aller jüdischer Menschen in Homburg zur Zeit des Nationalsozialismus.

Station 5 beleuchtet die Ruine der ehemaligen Synagoge der Stadt Homburg. Hier finden Sie Informationen zur Geschichte der Synagoge sowie zur damaligen Inneneinrichtung. Zum besseren Verständnis sind außerdem Bilder und Audiodateien inbegriffen. Die Synagoge wurde als Symbol für den jahrelangen Kampf der jüdischen Gemeinde für Toleranz und einen Ort zur Ausübung ihrer Gottesdienste ausgewählt. Sie ist für die jüdische Gemeinde des Saarlandes bis heute ein bedeutender Ort des Gedenkens, der die sowohl positiven als auch negativen Erinnerungen aufrechterhalten soll.

Das Schicksal der Familie Salmon (Station 4) mahnt uns in Homburg den Opfern der Judenverfolgung und Deportation auch in Zukunft zu gedenken. Rosa Salmon wurde im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion nach Gurs deportiert und verlor dabei ihr Leben. Nicht nur ihr Name wurde auf dem „Mahnmal gegen das Vergessen“ (Station 6) am Alten Markt in Homburg verewigt. Es soll das Gedenken der Opfer des NS-Terrors fördern und damit das Vergessen verhindern. Durch die Namen, welche auf den Stelen eingraviert sind, bekommen die Opfer einen Teil ihrer Identität zurück und erhalten in ihrer ehemaligen Heimatstadt und in unmittelbarer Nähe zu ihrer Wohnstätte einen würdigen Erinnerungsort.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Erinnerungsarbeit über die Zeit des Dritten Reiches im Landkreis Homburg wenig präsent ist. Es gibt das „Mahnmal gegen das Vergessen“ und den Erinnerungsort der ehemaligen Synagoge, die jährlich im Rahmen der Gedenkveranstaltung anlässlich der Reichspogromnacht aufgesucht wird. Einige NS-Erinnerungsorte wie das ehemalige Polizeihaftlager in Homburg-Erbach oder die Stele auf dem Campus des UKS sind allerdings gar nicht gekennzeichnet oder einfach schwer zu finden und vor allem einem Großteil der Einwohner völlig unbekannt.

Um eben diese Lücken zu schließen und an die Schicksale zu erinnern, haben wir verschiedene Stationen für die App erstellt und genauer ausgeführt. Wir erhoffen uns, mit der App die Erinnerungsarbeit in Homburg zu fördern und vor allem die Generation der Schülerinnen und Schüler für eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte ihrer Heimat zu gewinnen.“

Das Seminarfach des Saarpfalz-Gymnasiums Homburg (2020/21)

Konzeption

Die Tour wurde konzipiert und aufgebaut vom Seminarfach des Saarpfalz-Gymnasiums Homburg (2020/21)

Besonderen Dank gilt

  • dem Stadtarchiv Homburg dem Historischen Verein der Stadt Homburg, der Landeszentrale für politische Bildung, der Synagogengemeinde Saar für die engagierte Unterstützung
  • Herrn Prof. Dr. Kell (ehemaliger Kulturamtsleiter der Stadt Homburg) Herrn Mirko Tomic (SR) Herrn Klaus Glutting Herrn Izhak Hirsch für ihre Interview-Beiträge
  • Der Protestantischen Jugendzentrale der Stadt Homburg (Tobias Comperl) und dem Adolf- Bender-Zentrum (Fabian Müller) für die Unterstützung und Finanzierung