Stolpersteine erzählen

Stolpersteine erzählen
Jugendliche entwickeln digitale Kunstwerke zur Erinnerungskultur

Foto: Zippo Zimmermann – designladen.com

Das Projekt

Wie können Jugendliche heute einen eigenen Zugang zu den Lebensgeschichten von Menschen finden, an die Stolpersteine erinnern? Und wie können aus historischer Recherche neue Formen digitaler Erinnerungskultur entstehen?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Projekt „Stolpersteine erzählen – Jugendliche entwickeln digitale Kunstwerke zur Erinnerungskultur“, das die Arbeit und Kultur Saarland gGmbH vom 24. bis 28. August 2026 in Saarbrücken durchführte.

Insgesamt 38 Schülerinnen aus drei saarländischen Schulen nahmen an der Projektwoche teil: eine 8. Klasse der Willi-Graf-Realschule Saarbrücken, zwei Schülerinnen der Klassenstufe 11 aus der Stolpersteine-AG der Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle sowie sechs Schülerinnen der Klassenstufen 9 und 10 der Montessori Gemeinschaftsschule in Friedrichsthal.

Fotos: Zippo Zimmermann – designladen.com

Screenshot aus "Emilie Kaiser - Rathausplatz 7"

Emilie Kaiser
Rathausplatz 7

Kunstbeitrag 1

Zwei Schülerinnen der Montessori Gemeinschaftsschule Saar erzählen in einem kurzen Video die Geschichte von Emilie Kaiser. Es geht um die Unterdrückung von Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Den Schülerinnen war es sehr wichtig, Emilie Kaisers Geschichte zu verstehen und emotional darzustellen.


Kunstbeitrag 2
Marie und Lilit von der Willi-Graf-Realschule gestalteten ein fiktives Interview über Emilie Kaiser und ihre Deportation. Sie wollten Emilie Kaisers Emotionen erkennbar machen und darstellen, wie sie sich gefühlt haben könnte. Dabei war es ihnen wichtig, die Trauer über ihre Verfolgung und Ermordung zu vermitteln. Die Idee für die Form eines Interviews entstand, weil die Schülerinnen diese Gefühle auf diese Weise darstellen wollten und ein solches Format zuvor noch nicht ausprobiert hatten.

Quellen: Digitales Gedenkbuch der Landeshauptstadt Saarbrücken: Emilie Kaiser und Paula Loeb; Institut für aktuelle Kunst im Saarland; Schülerbeiträge der Montessori Gemeinschaftsschule Saar und der Willi-Graf-Realschule.

Screenshot aus "Familie Kaempfer, Mainzer Straße 35"

Familie Kaempfer
Mainzer Straße 35

Kunstbeitrag 1

Jasmina, Laila und Luana von der Willi-Graf-Realschule verarbeiten die Biografien der Familie Kaempfer in einem kurzen Video. Dafür beschäftigten sie sich mit der Geschichte der Familie und erzählen von ihrer Verfolgung während der Zeit des Nationalsozialismus.


Kunstbeitrag 2
Nicolas und Ben von der Willi-Graf-Realschule beschäftigten sich in ihrem Beitrag mit dem Leben und der Geschichte von Georg Kaempfer. Besonders interessant fanden sie, mehr über seine Biografie und sein Schicksal während der Zeit des Nationalsozialismus zu erfahren.

Quellen: Digitales Gedenkbuch der Landeshauptstadt Saarbrücken: Georg Kaempfer, Herta Kaempfer, Evelyne Kaempfer und Marion Kaempfer; Schülerbeiträge der Willi-Graf-Realschule.

Screenshot aus "Familie Kahn, Graf-Johann-Straße 3"

Familie Kahn
Graf-Johann-Straße 3

Kunstbeitrag 1

Anton T., Anton S. und Tim von der Willi-Graf-Realschule haben sich die Familie Kahn ausgesucht, weil es über die Familie viele interessante Dinge zu wissen gibt. Basierend auf ihrer Recherche fassten sie einen Text zusammen und sprachen ihn für ihr Videomaterial ein. Anschließend besuchten sie die Stolpersteine, machten dort Fotos und Videos und ergänzten das Material mit einem weiteren eingesprochenen Text.


Kunstbeitrag 2
Julian, Luca und Frederick von der Willi-Graf-Realschule haben einen Text über die Familie Kahn während der NS-Zeit geschrieben und sich damit beschäftigt, wie sie verfolgt wurde. Anschließend erstellten sie ein Video zu diesem Thema und setzten sich besonders mit der Gestaltung von Ton und Video auseinander. Sie überlegten, wie sie die Geschichte der Familie Kahn verständlich und gleichzeitig eindrucksvoll darstellen können. Dabei lernten sie, wie wichtig Ton, Bilder und passende Szenen für die Wirkung eines Videos sind.

Quellen: Digitales Gedenkbuch der Landeshauptstadt Saarbrücken: Hugo Kahn, Edith Ilse Kahn und Paul Walter Kahn; Landeshauptstadt Saarbrücken; Schülerbeiträge der Willi-Graf-Realschule.

Screenshot aus "Familie Rose, Sulzbachstraße 22"

Familie Rose
Sulzbachstraße 22

Kunstbeitrag 1

Zwei Schülerinnen der Montessori Schule beschäftigten sich mit der Biografie der Familie Rose und verarbeiteten ihre Geschichte in einem kurzen Video.


Kunstbeitrag 2
Hannah, Mayra, Lea und Sophia von der Willi-Graf-Realschule beschäftigten sich mit der Geschichte der Familie Rose. Sie sammelten Informationen über die Familie und gestalteten daraus ein kurzes Video mit Bildern und Texten. Besonders gefallen hat ihnen, die Stolpersteine selbst zu besuchen und ihr Video mit Musik zu gestalten.

Quellen: Digitales Gedenkbuch der Landeshauptstadt Saarbrücken: Wilhelm Maximilian Rose, Elisabetha Betty Löb (Rose) und Rolf Julius Rose; Erinnern Saarbrücken: Ehepaar Maximilian Wilhelm und Elisabetha Rose; Schülerbeiträge der Montessori Schule und der Willi-Graf-Realschule.

Screenshot aus "Heinz Henry Bonem und Lotte Bonem, Nauwieserplatz 11/13"

Heinz Henry Bonem und Lotte Bonem
Nauwieserplatz 11/13

Kunstbeitrag 1

Medina und Emilia aus der 8. Klasse der Willi-Graf-Realschule gestalteten ein Modell mit Szenen aus dem Leben der Geschwister. Zu sehen sind unter anderem ein Haus mit eingerichteten Innenräumen, Figuren, Fahrräder und eine Straßenszene. Ihr Beitrag erinnert daran, dass hinter den Namen auf den Stolpersteinen Menschen mit einem eigenen Alltag und Familienleben standen.


Kunstbeitrag 2
Pauline und Johanna von der Montessori Gemeinschaftsschule erzählen Lottes Verfolgung und Flucht ausschließlich mit Geräuschen. Die Audiodatei soll ihre Gefühle für die Hörer*innen erfahrbar machen. Die Schülerinnen möchten damit über die Vergangenheit informieren und zum Nachdenken anregen.

Kunstbeitrag 3
Jonas, Joel und Ilyas von der Willi-Graf-Realschule erzählen die Geschichte der Geschwister in einem selbst gestalteten Video. Dafür zeichneten sie Szenen, schnitten diese zu einem Film zusammen und nahmen ein Voice-over auf. Auch die Hintergrundmusik erstellten die drei Schüler selbst. Mit Bildern, gesprochenem Text und Musik möchten sie die Geschichte von Heinz Henry und Lotte verständlich vermitteln

Quellen: Digitales Gedenkbuch der Landeshauptstadt Saarbrücken: Heinz Henry Bonem und Charlotte (Lotte) Bonem; Schülerbeiträge der Willi-Graf-Realschule und der Montessori Gemeinschaftsschule.

Screenshot aus "Fanny Fröhlich und Helene Kuhn, Graf-Johann-Str. 8"

Fanny Fröhlich und Helene Kuhn
Graf-Johann-Str. 8


Kunstbeitrag
Die Elftklässlerinnen Kimberly Schett und Charlotte Marian der Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle stellen das Leben von Mutter und Tochter musikalisch und in einem begleitenden Video dar. Zu Beginn repräsentiert die Musik Fannys Leben; subtile afrikanische Klänge verweisen auf die Geburt ihrer Tochter in Südafrika. Ein Übergang vom Piano zur Gitarre leitet zu Helenes Leben über. Später verbinden sich beide musikalischen Motive und stehen für das Zusammenleben von Mutter und Tochter.

Gegen Ende verstummt die Musik zunächst. Die Stille wird durch ein Klopfen unterbrochen, das die Trennung und Deportation einleitet. Der Chor steht für Fanny und endet zuerst, das Glockenspiel repräsentiert Helene und verstummt wenig später. Dazu sind Stampfen von Stiefeln und das Klopfen des SOS-Signals zu hören. Ein einzelner entfernter Pianoton beendet das Stück.

Die Musik komponierte die 16-jährige Kimberly Schett, das Video erstellte die 17-jährige Charlotte Marian. Rückblenden greifen Erinnerungen der Familie auf und folgen der Stimmung der Musik. Eine ausgeblasene Kerze am Ende symbolisiert das Ende von Mutter und Tochter.

Quellen: Digitales Gedenkbuch der Landeshauptstadt Saarbrücken: Fanny Fröhlich und Helene Kuhn; Erinnern Saarbrücken: Biografie Fanny Fröhlich und Helene Kuhn.

Screenshot aus "Herbert und Olga Fürst, Lortzingstraße 18"

Herbert und Olga Fürst
Lortzingstraße 18

Kunstbeitrag
Zwei Schülerinnen der Willi-Graf-Realschule beschäftigten sich mit der Geschichte von Herbert und Olga Fürst und gestalteten dazu ein kurzes Video. Für die Umsetzung arbeiteten sie mit Bildern, gesprochenem Text und Musik und nutzten dafür CapCut und GarageBand.

Quellen: Landeshauptstadt Saarbrücken: Biografien zu den Stolpersteinen; Institut für aktuelle Kunst im Saarland: Herbert und Olga Fürst; Arolsen Archives, dargestellt in der Stolpersteine-Tour von Arbeit und Kultur Saarland; Schülerbeitrag der Willi-Graf-Realschule.

Grafik zu "Johanna Kirchner, Bahnhofstraße 95"

Johanna Kirchner
Bahnhofstraße 95

Kunstbeitrag
Dorian, Isabella und Mathis von der Willi-Graf-Realschule gestalteten einen Audiobeitrag über Johanna Kirchner. Dafür sprachen sie ihren Text ein und spielten die Hintergrundmusik selbst mit Klavier, Gitarre und Viola ein. Statt eines Videos entschieden sie sich bewusst dafür, die Geschichte Johanna Kirchners ausschließlich mit gesprochenen Stimmen und Musik zu erzählen.

Quellen: Landeshauptstadt Saarbrücken; Institut für aktuelle Kunst im Saarland: Johanna Kirchner; Stolpersteine-Tour Arbeit und Kultur Saarland; Schülerbeitrag der Willi-Graf-Realschule.

Screenshot aus "Max Haymann, Karcherstraße 11"

Max Haymann
Karcherstraße 11

Kunstbeitrag
Carl und Samuel aus der 8. Klasse der Willi-Graf-Realschule beschäftigten sich mit der Biografie von Max Haymann und gestalteten dazu ein kurzes Video.

Quellen: Digitales Gedenkbuch der Landeshauptstadt Saarbrücken: Max Haymann; Schülerbeitrag der Willi-Graf-Realschule.

Screenshot aus "Sophronie Herz – Dudweiler Str. 26-30"

Sophronie Herz
Dudweiler Str. 26-30

Kunstbeitrag
Das Video zu Sophronie Herz, die 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert wurde und dort 1943 im Alter von 80 Jahren starb, wurde von Lina Isabelle und Amelie, 8. Klasse der Willi-Graf-Realschule, entwickelt.

Die Tour

Projektpartner der Tour Stolpersteine erzählen:

Ermöglicht wurde die Durchführung des Projekts durch die Förderung des Ministeriums für Bildung und Kultur des Saarlandes und der VSE-Stiftung.